News aus der Stadt Roding
Rodinger Dickschädel wollten keine Wasserleitung
1900, ein neues Jahrhundert hatte begonnen, und auch in Roding machte sich dieses 20. Jahrhundert bemerkbar. So jubilierte der „Generalanzeiger“ am 26. September 1900. „Wie sich die Zeiten ändern! Wer hätte vor zehn und zwanzig Jahren sich zu träumen gedacht, daß hier eine neue Pflasterung, Kanalisation, eine, wenn auch nur an einem Punkte, geradezu feenhafte Beleuchtung, ein Leichenhaus, dazu eine in Angriff genommene Wasserleitung und im nächsten Jahre ein neues Schulhaus, den Anforderungen der Neuzeit entsprechend, in imposanter Form entstünde!? Die Wasserleitung betreffend, wird an der Reserve von fachkundiger Seite seit acht Tagen eifrig gearbeitet und wird dieses spezielle Werk in 2 Monaten, das Ganze im Frühjahr zum Staunen der Rodinger fertig gestellt sein. Wenn auch noch Vorurteile hinsichtlich der Wasserleitung bei einigen bestehen, so bilden dies eine verschwindende Minderheit. Ihre Kindeskinder werden vielleicht andere Anschauungen haben!“
Am 04. November 1900 fand sich eine große Menschenmenge am Hochreservoir ein, als dieser zum ersten Male gefüllt wurde. Der Verschluss wurde versiegelt, um nach 24 stündiger Einwirkung auf Wände und Boden zu prüfen, wieviel Wasserverlust eingetreten ist; es durften nicht mehr als 3 Zentimeter sein. Das Reservoir hat die Probe bestanden.
Die Gegner der neuen Wasserleitung fürchteten die Kosten für die Hausanschlüsse und bezeichneten die Wasserversorgung als „neumodischen Krampf“. Was brauchte man auch eine Wasserleitung? Zum Trinken hatte man Bier. Morgens stand am Waschtisch immer ein Krug Wasser, falls man es mit der Reinlichkeit schon so genau nahm. Für diesen Service waren die eigene Frau oder die Dienstboten verantwortlich. Die hatten auch für saubere Wäsche zu sorgen und das geschah am Waschtag unten am Regenfluss.
Da musste die Lokalzeitung schon anders argumentieren, um die Zweifler zu überzeugen. Sie tat das mit dem Feuerschutz. „Der Umstand, welcher schließlich doch die Hauptsache ist, daß bei den vielfach angebrachten Hydranten, dem gewaltigen Hochdruck und bei unserer erprobt geführten Feuerwehr ein größerer Brand nach Fertigstellung derselben (Wasserleitung) fast ein Ding der Unmöglichkeit wird, wird hoffentlich einleuchten.“
Die Rodinger Wasserleitung wurde Anfang des Jahres 1901 fertiggestellt und heute können wir dem Schreiber des Jahres 1900 rechtgeben in seiner Prognose: „Ist das Werk fertig, so wird es nicht allein den Meister loben, sondern auch die hoffentlich alle Tage weniger Werdenden (Zweifler) vollauf befriedigen und mit Stolz erfüllen, dessen sind wir jetzt schon gewiß.“
Heute will wohl keiner mehr fließendes, sauberes Wasser aus der Wasserleitung missen.
