News aus der Stadt Roding
Pest und Seuchen in Roding im 17. und 18. Jahrhundert
Pestgefahr und Schutzmaßnahmen im damaligen Roding
Ließen schon in ruhigen Zeiten des Mittelalters Hygiene und Sauberkeit sehr viel zu wünschen übrig, so verschlechterten sich diese in Kriegszeiten noch viel mehr. Der Ausbruch von Seuchen war die natürliche Folge. In den Rodinger Bürgern stand noch zu deutlich die Erinnerung an die Grauen der Pestzeit von 1634, als bereits 1665 wieder die Pest ihr schreckliches Haupt zu heben begann und viele Todesopfer in der Umgebung von Roding forderte.
Der Rodinger Magistrat tat alles, um die Einschleppung der gefürchteten Krankheit in den Markt zu verhindern. So wurden z.B. an jedem Tor Bürger zur Wache aufgestellt, die alle ankommenden Fremden zu visitieren hatten, ob sie aus einem Pestort kämen. Die kurfürstliche Regierung in Amberg sandte einen Doktor der Medizin, um das Wasser der hiesigen Brunnen zu untersuchen. Ferner wurde am Marktplatz eine Tafel angebracht, auf der Namen sämtlicher infizierter Ortschaften verzeichnet waren. Auch zum Gebet nahmen die Rodinger Zuflucht, indem die Bürgerschaft eine feierliche Bittprozession nach Neukirchen Hl. Blut veranstaltete, um die Krankheit von Roding fernzuhalten.
Viehseuche, Tollwut und harte Maßnahmen
Die Pest verschonte den Markt, doch wütete 1680 eine Viehseuche, der der ganze Rinderbestand von Roding und Umgebung zum Opfer fiel. Das eingegangene Vieh wurde in die sogenannte Luderschlucht geworfen und dort mit Erde überdeckt. Als 1674 ein Hund in Roding tollwütig wurde, kam auf Befehl des Pflegegerichtes Wetterfeld ein Hundefänger aus Cham, der gleich alle Hunde „abmachte“. Gegen diese drakonische Maßnahme legte der Rat zu Roding Beschwerde an die Regierung ein, ohne allerdings den „abgemachten“ Hunden damit noch nützen zu können.
Im Jahre 1713, gegen Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, brach im Amt Wetterfeld abermals die Pest aus und „raffte eine Menge Menschen dahin“. Roding blieb jedoch von ihr verschont. In Oberdorf starb jedoch an dieser Seuche eine ganze Familie mit acht Köpfen innerhalb weniger Tage.
Die Sebastiani-Kapelle
In seiner Not wandte sich das Volk an seine Pestpatrone, unter denen der mit Pfeilen getötete hl. Sebastian besonders verehrt wurde. Allenthalben zeigen uns die Pestkapellen in ergreifender Weise, welche Schrecken diese Geißel den Menschen einflößte. Auch die Rodinger Pestkapelle, die Sebastiani- Kapelle, entstand in jenem denkwürdigen Jahr, dessen Zahl 1713 in einem besonderen Peststein neben der Kapelle eingemeißelt ist. Ursprünglich befand sich an der linken Seite der Sebastiani-Kapelle ein hölzerner Turm, ferner war der Giebel mit gotischen Zinnen bekrönt.
Die Sebastiani-Kapelle verdankt ihre Erbauung einem Gelübde der Rodinger Bevölkerung: Aus Dankbarkeit dafür, dass die Stadt von der Pest verschont blieb, wurde sie errichtet. Bis heute wird um den 20. Januar, am Gedenktag des heiligen Sebastian, eine Prozession abgehalten.
Quelle: Geschichte der Stadt Roding und ihres Pfarrgebietes von Karl Schwarzfischer
