News aus der Stadt Roding
Vor 80 Jahren die erste freie Wahl nach dem Weltkrieg
Am 27. Januar 1946 fand in Roding die erste demokratische Gemeindewahl nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Unter Aufsicht der US-Militärregierung wurden 15 Gemeinderäte gewählt. Jakob Wittmann wurde erster Bürgermeister.
Am 27. Januar 1946 fand in Roding die erste demokratische Wahl nach dem zweiten Weltkrieg statt. Ziel der amerikanischen Militärregierung, die praktisch ab 1945 bis 1949 die staatliche Verwaltung beaufsichtigte, war es, die Demokratie von unten nach oben aufzubauen. Der Wahlbereich Roding umfasste damals neben dem Markt Roding die Orte bzw. Ortsteile Altenkreith, Braunried, Mitterdorf, Ober- und Unterlintach, Wiesing, Ziehring und Regenpeilstein. Es waren 15 ehrenamtliche Gemeinderäte zu wählen. Gemeindewahlleiter war Jakob Wittmann, der Nachfolger des von den Amerikanern eingesetzten ersten kommissarischen Bürgermeisters Andreas Gierl.
Ein großes Problem in der damaligen Übergangszeit war die Erstellung der Wählerlisten, da einzelne Bürger vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Flüchtlinge und Zwangsverschleppte hatten nur dann das Wahlrecht, wenn sie bereits mindestens ein Jahr in Roding wohnten und erkennen ließen, dass sie hier länger verbleiben würden, beispielsweise weil sie eine feste Anstellung oder ein Grundstück gekauft hatten.
Vom Wahlrecht ausgeschlossen war auch, wer vor dem 1. Mai 1937 der NSDAP beigetreten war, also quasi ohne Druck, der später auf die Bürger ausgeübt worden war. Wer auch nur das geringste Amt in den Gliederungen der Partei innehatte, fand ebenfalls keine Aufnahme in die Wählerliste. Insgesamt waren es damals 167 Wahlberechtigte, die auf Grund ihrer Parteifunktion ausgeschlossen waren. Manche Rodinger richteten Schreiben an den Gemeindewahlausschuss und wollten bestimmte Personen aus der Wählerliste gestrichen haben. Der Wahlausschuss hatte kein leichtes Amt und versuchte, relativ großzügig zu handeln, um aus dem Wahlkampf die Schärfe herauszunehmen.
Die erste Wahl und ihre Ergebnisse
Zwei Wahlvorschläge wurden eingereicht, einer von der „Christlich Sozialen Union (Bayerischer Volksbund)“, der andere unter Namen „Nazigegner“. Deren Kandidaten kamen aus den verschiedensten politischen Lagern, auch aus gegensätzlichen Richtungen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 4613 Personen waren nur 1754 wahlberechtigt, somit an die 38%. 1519 Personen gingen zur Wahl. Es gab zwei Wahllokale; zum einen die ehemalige Mädchenschule auf dem jetzigen Pfarrplatz, zum anderen das Gasthaus zum Hirsch (heute Hecht) in Mitterdorf. Von den gültigen Stimmen entfielen 1188 an die CSU und 306 an die Nazigegner. Im Marktgemeinderat bekam die CSU 12 Sitze (Heinrich Fichtl, Johann Juglreiter, Michael Bräu, Josef Zierer, Ludolf Stuiber, Josef Mühlbauer, Michael Schwarzfischer, Josef Schwarzfischer, Georg Schmidbauer, Jakob Wittmann, Johann Wankerl und Anton Lindl). Die Gruppe der Nazigegner erhielt 3 Sitze (Josef Trautner, Andreas Schnellbögl und Josef Fries). Der neugewählte Marktrat wählte am 01. Februar 1946 den Kaufmann Jakob Wittmann zum ersten Bürgermeister. Zweiter Bürgermeister wurde Heinrich Fichtl, dritter Bürgermeister Wolfgang Bräu aus Ziehring.
Die Gemeindewahlen am 27. Januar 1946 waren die ersten demokratischen Wahlen nach dem Krieg. Am 28. April 1946 folgten die Kreistagswahlen für den Landkreis Roding, am 30. Juni 1946 wählte man die Mitglieder der verfassungsgebenden Landesversammlung und am 1. Dezember 1946 den Landtag.
