News aus der Stadt Roding
Faschingszüge in Roding haben Tradition
Von einer Hochburg des Faschings in Roding zu sprechen, wäre wohl übertrieben, wenn man an die Karnevalshochburgen in Köln, Mainz oder Düsseldorf denkt. Von einem faschingsmäßigen Ausnahmezustand vom Unsinnigen Donnerstag bis einschließlich Faschingsdienstag ist in Roding nur bei den wenigsten etwas zu spüren. Anders im Rheinland. Das liegt wohl hauptsächlich an der Mentalität der Ostbayern, die in früheren Zeiten mit viel anderen Sorgen beschäftigt waren.
Dennoch hatte sich der Markt Roding mit seinen Faschingszügen, die von Johann Lindinger organsiert wurden, bereits vor 1900 einen Namen gemacht (siehe Aufruf des „Narrencomitees“ vom 14.02.1896). Der Ausbruch des 1. Weltkrieges hatte jedoch dieses rege Treiben jäh unterbrochen.
Fasching in schwierigen Zeiten
Nach dem verlorenen Krieg sorgten die Trauer um die vielen Gefallenen, die Arbeitslosigkeit, die Inflation und die Reparationsforderungen der Alliierten für eine gedrückte Stimmung. In diesem Zusammenhang wurden in Bayern 1921 sämtliche „Faschings- und Tanzlustbarkeiten“ verboten. Dennoch fand in Roding ein kleiner, sehr einfallsreicher, nicht genehmigter Faschingszug statt, der nur aus fünf Reiter bestand. Die Mundpropaganda war so groß, dass die Straßen voller Menschen waren.
Sie bestaunten besonders das von Maler Ludwig Dieß berittene Tier. Er hatte sich nämlich eine dunkelbraune Stute ausgeliehen und diese mit weißer Ölfarbe in ein „Zebra“ verwandelt. Dieser Anstrich soll so gut gehalten haben, dass noch weit in das Frühjahr hinein in Roding ein „Zebra“ bei der Feldarbeit zu sehen war.
In den folgenden Jahren fand in unregelmäßiger Reihenfolge ein Faschingszug statt. Im Jahre 1929 musste er kurzfristig wegen eisiger Kälte jedoch abgesagt werden.
Der letzte Faschingszug vor dem 2. Weltkrieg war 1938. Dieser durfte nur auf Intervention des Kreisleiters Norbert Breu und Sondergenehmigung der Gauleitung Ostmark abgehalten werden, da die NSDAP bereits 1937 jegliche Betätigungen dieser Art untersagt hatte. Roding hatte übrigens 1938 auch ein Prinzenpaar mit Xaver Praun und Albertine Kerscher.
Dieser Faschingszug von 1938 war für lange Zeit der letzte. Der 2. Weltkrieg und seine Folgen hallten nach. Erst 1950 fing man wieder richtig an. Zwar war 1949 für den Faschingsdienstag bereits ein Faschingszug vorgesehen, an dem ursprünglich viele Vereine teilnehmen wollten, aber leider nicht kamen, so dass nur drei Wagen den ganzen Zug bildeten und laut Zeitungsbericht „dieser nicht recht zur Wirkung kam“.
Vom Burschenverein zur Faschingsgesellschaft: Die Blütezeit der Rodinger Umzüge
War Johann Lindinger in der Zeit um 1900 der große Organisator, so übernahm später der Rodinger Burschenverein die Verantwortung für die Faschingszüge. Diese fanden oft zu Jubiläen des Burschenvereins oder der Stadt Roding statt und „immer der letzte war der größte und der schönste“. Bereichert wurden die Umzüge später durch die Mitwirkung der 1974 gegründeten Faschingsgesellschaft „Rodingia“ mit Prinzenpaar, Gardemädchen und Hofstaat unter Führung von Hannelore Bergfeld und Faschingspräsident Jupp Brantl.
Letztmalig gab es in Roding im Jahre 1994 eine Garde mit dem Prinzenpaar Gerd Lehner und Bettina Glück anlässlich der 1150 Jahrfeier der Gründung Rodings und auch einen prachtvollen Umzug am Faschingssonntag, den 13. Februar. Es folgten noch in den Jahren 1997, 2000 und 2002 Faschingszüge in Roding mit tollen Ideen der teilnehmenden Wägen und Fußgruppen, wobei etliche Ereignisse in der Stadt in lustiger Form aufs Korn genommen wurden. Tausende verfolgenden die jeweiligen Faschingszüge.
„Jetzt wird’s narrisch gemacht“: Ein neuer Anlauf für den Faschingsumzug in Roding
Seit dem Jahre 2002 schlummert der Rodinger Faschingszug, auch wenn an den Stammtischen oftmals der Wunsch nach einem neuen Gaudiwurm heiß diskutiert wird und die Stammtischler in schönen Erinnerungen schwelgen.
Die Tradition der Umzüge im Stadtgebiet Roding setzt nun aber Mitterdorf fort. Die Skiabteilung der SpVgg Mitterdorf will am Faschingssonntag 15. Februar 2026, dem Fasching in der Stadt ein Stück weit zu altem Glanz verhelfen unter dem Motto „Aus dem Winterschlaf erwacht – jetzt wird`s narrisch gemacht“. Man kann den Organisatoren nur viel Glück und Erfolg wünschen, damit die Tradition der Faschingszüge in Roding wieder eine Zukunft hat.
