Angermühle Roding – Historische Mühle seit dem 12. Jahrhundert
Geschichte und historische Bedeutung
Von der Regenbrücke an der Rodinger Reibn eröffnet sich ein herrlicher Blick: Hinter Bäumen erhebt sich ein gotischer Treppengiebel aus dem 15. Jahrhundert – Teil eines der ältesten urkundlich erwähnten Gebäude Rodings - die Angermühle.
Das Anwesen liegt auf dem sogenannten Anger, einer freien Ebene – daher auch der Name „Mühle auf dem Anger“. Zum Mühlgut gehörten neben der radizierten Mühlgerechtigkeit ein Wohnhaus, eine Schupfe mit Stallung, ein Waschhäuschen, die Mühlstube sowie verschiedene Mühlen: Mahlmühle, Sägmühle, Lohstampfe, Radstube, Grießstube und Gießgang. Ergänzt wurde das Anwesen durch einen Gras- und Baumgarten.
Die älteste Erwähnung der Angermühle findet sich laut der „Chronik des Marktes Roding“ von Robert Lettl (1894) um das Jahr 1118. Ein adeliges Stammbuch der Oberpfalz nennt Lettl dabei als Quelle. Urkundlich belegt ist die Mühle im herzoglichen Salbuch von 1273 unter Ludwig dem Strengen als „Amelgatsmvl aduocal“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München). Damals war sie mit drei Lehen abgabepflichtig.
Verschiedene Besitzer im Laufe der Jahre
1605 gehörte die Mühle Sebald Kaiser, vermutlich dem Sohn des Seballt Khaiser, der um 1578 Bürgermeister von Roding war. Ihr Wert betrug zu dieser Zeit 900 Gulden (Quelle: Trinkerl, Rodinger Heimat). 1652 ging die Mühle in den Besitz des Rodinger Bürgermeisters Michael Heber über, der auch Eigentümer des heutigen Gasthofs Lobmeyer war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erwähnte ein königlicher Bergbaubeamter: „Alda hat Mich. Heber, Bürgermeister zu Roding, einen Eisenhammer, welcher gangbar.“
1. Generation
1. Generation
Ihren Anfang machen Höcherl Peter oo N. Ursula Sabina um 1670 (wahrscheinlich in Roding). Am 25.1.1680 kaufte Peter Höcherl die heute noch zum Teil der Mühle zughörigen Waldung „Angermühlholz nähe dem Ödenhof von Georg Mühl aus Zenzing um 100 fl.
2. Generation
2. Generation
Der Sohn Johann Höcherl oo N. Maria Elisabetha um 1702.
3. Generation
3. Generation
Johann und Maria Elisabeth Höcherl übergeben am 21.10.1738 die Angermühle um 3400 fl an ihren Sohn Johann Thomas Höcherl. Elf Monate später ehelicht er am 7.9.1739 die Bauerstochter Margaretha Kagermayr aus Scharlau. Trauzeugen der Hochzeit in der St Pankratius Pfarrkirche zu Roding sind Mathias Greiner, Rotgerber in Roding und Peter Schweiger Consul in Roding (BZ AR Matrikel Rod Fiche 40 Seite 351)
1741 Die hinterlassene Witwe Margaretha Höcherl verkauft nach dem frühen Tod ihres Ehemannes mit erst 34 Jahren am 19.6.1741 die Angermühle um 3700 fl an ihren Schwager Mathias Höcherl. Höcherl Mathias nun Müller auf der Angermühl heiratet am 12.10.1745 in der Pfarrkirche zu Roding Schwarzfischer Elisabeth Tochter des Wolfgang Schwarzfischer aus Dicherling. Neben der Mühle und der Sägemühle wird 1766 eine Lohestampf betrieben.
4. Generation
4. Generation
Die Witwe Elisabeth Höcherl geb. Schwarzfischer übergibt die Angermühle am 29.10.1773 um 4000 fl an ihren Sohn Georg Michael Höcherl. Vormund ist Jakob Dichtl, Förster in Mitterdorf. Georg Michael Höcherl, Müller zu Angermühl, heiratet am 25.1.1774 in der Pfarrkirche zu Roding Fiederer Maria Anna, Färberstochter aus Roding. Trauzeugen sind Andreas Fiederer, Bürger zu Roding, und Martin Gsellhofer, Bürger zu Roding. Zwei Kinder der beiden sterben im Säuglingsalter. Hier endet die Ära der Höcherls auf der Angermühle.
Georg Michael Höcherl und seine Frau verkaufen am 8.11.1800 die Angermühl um 9000 fl an Georg Adam und Elisabeth Hecht, bisher Müllers-Eheleute auf der Fingermühle nähe Michelsneukirchen. Georg Höcherl, der letzte Höcherl auf der Angermühle, stirbt in hohem Alter von 82 Jahren im September 1834. (u.a. Aufstellung Müllerfamilie Höcherl von Lausser Hans). Die Müllerfamilie Hecht befindet sich nur kurze Zeit auf der Angermühle, ab 1808 wird bereits Wolfgang Schwarzfischer als Müller der Angermühle erwähnt. Wolfgang Schwarzfischer, geboren in Dicherling, ist seit 17. Juni 1801 mit Franziska Schwab aus Roding verheiratet. Auch die Schwarzfischer sind nicht lange auf der Angermühle, Wolfgang stirbt am 15. Januar 1814, seine Frau kurze Zeit später am 11. Februar 1814. Ein Kind der beiden muss überlebt haben, da es in einer späteren Übergabeurkunde etwas Geld erhalten hat.
Angermühle zur Versteigerung freigegeben
Aufgrund des Todes des Schwarzfischers wir die Angermühle zur öffentlichen Versteigerung freigegeben.
1. Generation
1. Generation
Kraus Kaspar und seine Frau Barbara (Witwe des verstorbenen Müllers Franz Fersch von der Fronauer Mühle) ersteigern die Angermühle 1815 zum Höchstgebot von 8550 fl.
Beide sind seit 1799 verheiratet. Die Kraus lassen sich zurückverfolgen bis etwa 1630 zur Mühle nach Pillmersried. Eine weitere Station war in Haag bei Muschenried, weiter zur Schlehmühle in Gmünd, dann die Fronauermühle und schließlich die Angermühle in Roding. (u.a. Chronik der Müllerfamilien Kraus von Fritz Kraus)
1817 wird ein 7. hölzernes Wasserrad erbaut. (alter genehmigter Plan) Nach dem Tode von Kaspar Kraus heiratet die Witwe Barbara erneut. Michael Pusl (von der Riebeisenmühle) wird der neue Müller auf der Angermühle. Nach dessen Tode wird die Witwe Barbara Pusl als Müllerin auf der Angermühle erwähnt bis sie 1840 die Mühle an den Sohn Johann Kraus (sen.) übergibt.
2. Generation
2. Generation
Johann Kraus oo Anna (geb Kleber Wirtstochter zu Nittenau) am 21. Mai 1840 Im Liquidationskataster von 1840 ist vermerkt: Zur Pfarrei Roding Gallistift / Neun Kreuzer / wogegen Besitzer am Gallitage jährlich ausgespeißt und von 12 Uhr Mittags bis zum Abendgebetläuten mit Bier nach Verlangen versehen wird .
Hierfür ab an obiger Summa der Abschlag zu Rest 1fl 24 Kreuzer beträgt. Der Inhaber der Angermühle bekam am Gallistiftstag (Fest zum hl. St. Gallus am 16. Oktober) einen Ehrenplatz beim kirchlichen Votivamt. Als einer der zwölf Stiftsherren, die den Markt Roding vertraten, erhielt er beim jährlichen Stiftsmahl im Herrenzimmer des Pfarrhofes einen zugewiesenen Sitzplatz. An diesem Festmahl nahmen weitere 58 zehentpflichtige Stiftsbauern teil (Gschwendner/Trinkerl. In: Chronik von Roding, Ausgabe 2003, Seite 70) 1856 wird ein neuer Aichpfahl gesetzt und eine genaue Bestandsaufnahme der Anlagen niedergeschrieben.
3. Generation
3. Generation
1875 Übergabe an Johann Kraus (jun.) oo Anna Maria (geb Ring, Posthalterstochter aus Roding). Ehemaliger Bürgermeister Gemeinde Mitterdorf. Angehöriger des königlich bayerischen 6. Infanterie-Regiments. Er machte mit diesem Truppenteil den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 mit. Nach seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst trat er in die lokale Reservisten-/Kriegervereinigung ehemaliger Angehöriger des 6. Infanterie-Regiments in Roding ein (6er-Vereinigung Roding). Er erhielt dafür die preußische Kriegsdenkmünze 1870/71 für Kombattanten. 1897 erhielt er zudem die Kaiser-Wilhelm-Erinnerungsmedaille.
Erste Elektrifizierung im Jahre 1898 durch selbst erzeugten Strom noch 24 Jahre bevor Roding oder Mitterdorf an das Stromnetz angeschlossen wurden. Der Müller Johann Kraus jun. beauftragte seinerzeit das „Technische Bureau für elektrische Anlagen // F.S. Wiesbauer aus Cham - Brunnendorf“ mit der Errichtung der Anlage und anschließen der Lampen.
4. Generation
4. Generation
1901 Übergabe an Anton Kraus (sen.) oo Margaretha (geb Schwarzfischer Fischerstochter aus Mitterdorf). Kraus Anton sen war emaliger Vorstand des Rodinger Burschenvereins 1895. 1901 Erneuerung das Sägewerks, anstatt der bisherigen 2 einfachen Sägegatter wird nun ein Vollgatter der Maschinenfabrik Schötz aus Regensburg eingebaut. (Königliches Bezirksamt Roding, Dr Winterstein, königl. Bezirksamtmann). 1906 vier hölzerne Wasserräder werden durch ein großes eisernes Rad der Maschinenfabrik Ersterer AG aus Altötting ersetzt. 1919 erneuert Kraus das alte Feldkreuz bei der Angermühle. 1923 bis 1933 ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Mitterdorf.
5. Generation
5. Generation
1958 Anton Kraus (jun.) oo Karoline (Heuberger aus Hochbrunn). Hochwässer der vergangenen Jahre richten immer wieder Schäden an, so wurde u.a. 1906 die Badeanstalt bei der Angermühle vollständig zerstört und erst 1910 wieder aufgebaut. Überreste dieser historischen Strandanlage wurden kürzlich wieder Instand gesetzt. Der #StadtstrandRoding kann heute für Feierlichkeiten aller Art angemietet werden und steht nebenbei wie auch schon in der Vergangenheit bei Veranstaltungen von Kindergärten, Schulen, FireKids u.ä. nach Rücksprache kostenlos zur Verfügung.
Bilder, Zeichnungen, Postkarten und Schriftdokumente zur Angermühle
Die Angermühle heute
Die Angermühle ist ein historisches Gebäude, das mit viel Engagement vom Eigentümer renoviert wurde. Auch wenn die Mühle selbst nicht mehr in Betrieb ist, bleibt sie ein bedeutendes Zeugnis der Geschichte.
Neben der Angermühle wurde der angrenzende Zugang zum Fluss Regen unter dem Namen „Stadtstrand“ neu belebt. In Anlehnung an das frühere Regenbad entstand hier ein besonderer Ort, der heute als Stadtstrand Roding bekannt ist.
Der Veranstaltungsbereich bietet vielseitige Nutzungsmöglichkeiten – von Freitrauungen und Vereinsfesten bis hin zu weiteren privaten und öffentlichen Veranstaltungen – und verbindet dabei historisches Ambiente mit moderner Nutzung.









